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WIE ERKLÄ­RE ICH MEI­NEM KIND DEN TOD: IST MADI­TA JETZT IM HIM­MEL?

By on 26. Oktober 2017

[6 Minu­ten — durch­schnitt­li­che Lese­zeit]

Vik­tor muss­ten wir recht früh den Unter­schied zwi­schen Leben und Tod erklä­ren. Ein Kind, dass er kann­te starb an einer schwe­ren Krank­heit und für uns kam es nicht in Fra­ge ihn anzulü­gen. Doch auch wir stan­den unter Schock und konn­ten mit ihm nicht ohne Trä­nen im Gesicht über das klei­ne Mäd­chen spre­chen.

Aber wie kann man einem Zwerg im Klein­kind­al­ter den Tod einer ver­trau­ten Per­son erklä­ren? Eines ist klar: Es ist egal, ob es ein Trau­er­fall in der Fami­lie oder im Freun­des­kreis ist: Gut­ge­mein­te Mär­chen sind hier nicht gefragt, son­dern Ehr­lich­keit. Denn es ist eine wich­ti­ge Erfah­rung, die Dein Kind machen muss. Las­se Dein Kind auch an Dei­nen Emo­tio­nen teil­ha­ben. Kin­der möch­ten in allen Berei­chen ernst genom­men und respekt­voll behan­delt wer­den – auch bei einem schwe­ren The­ma wie dem end­gül­ti­gen Tod.

Du kannst Dei­nem Kind den Umgang mit Ster­ben und Tod nicht erspa­ren. Du kannst es auch nicht vor den Schat­ten­sei­ten des Lebens beschüt­zen. Kin­der auf den mög­li­chen Ver­lust von Freun­den und Ange­hö­ri­gen vor­zu­be­rei­ten, bedeu­tet immer auch, sich als Vater oder Mut­ter selbst den eige­nen Defi­zi­ten im Umgang mit die­sem The­ma zu stel­len. Sei­en wir ehr­lich: Wir ver­su­chen so wenig wie mög­lich dar­über nach­zu­den­ken.

Was soll ein Kind den­ken, wenn es von Dir Sät­ze hört wie „Der Uropa schläft jetzt“ oder „Er ist jetzt an einem bes­se­ren Ort“? Auto­ma­tisch kom­men Rück­fra­gen wie „Wie­so schläft er? Kann man ihn auch wie­der wecken? Wenn ich heu­te Abend ein­schla­fe, wache ich dann mor­gen auch nicht mehr auf? Ist der Ort, an dem ich mich jetzt befin­de, schlecht?“

Die Zwer­ge sind schlau und wiss­be­gie­rig. Also Vor­sicht vor vor­ei­li­gen, gut­ge­mein­ten Erklä­run­gen.

Hier noch ein paar Klas­si­ker, die Du bes­ser mei­den soll­test: „Er darf sich jetzt aus­ru­hen“ und „Er ist von uns gegan­gen.“ Der Tod ist weder ein gemüt­li­ches Sofa, auf dem man ent­spannt sitzt und sei­nen Him­mels­da­ckel Wal­di füt­tert. Noch ist es ein Well­nessur­laub, zu dem man kein Rück­flug­ti­cket gekauft hat.

Einem Kind hilft Klar­heit wie zum Bei­spiel, dass der Kör­per (das Äußere/die Hül­le) im Sarg auf dem Fried­hof liegt. Und das, was den Uropa/einen Men­schen aus­macht (die See­le) an einem ande­ren Ort ist. Die Vor­stel­lung, wo die­ser Ort ist und wie es dort aus­sieht, ist ganz indi­vi­du­ell. Fra­ge Dein Kind, was es selbst dar­über denkt, bevor Du Dein Bild davon vor­gibst.

Der däni­sche Fami­li­en­the­ra­peut und Best­sel­ler­au­tor Jesper Juul hat es in einer Kolum­ne so for­mu­liert: „Kin­der soll­ten alles über den Tod erfah­ren dür­fen, um ihn als Tat­sa­che des Lebens zu begrei­fen. Das gibt ihrem Leben eine neue Per­spek­ti­ve und ver­mit­telt ihnen ein tie­fe­res Ver­ständ­nis der Wirk­lich­keit.“

Wie kann man in der Fami­lie Gefüh­len und Gedan­ken Aus­druck ver­lei­hen?

In Momen­ten der Trau­er oder dem anste­hen­den Tod, kann man zum Bei­spiel über die schöns­ten Momen­te mit dem Uropa erzäh­len. Aber auch über wich­ti­ge Kri­sen und Erfah­run­gen mit ihm. Wenn es zu schwer fällt, sich per­sön­lich zu ver­ab­schie­den, kön­nen alle in der Fami­lie sym­bo­lisch einen Brief schrei­ben und ihn spä­ter gegen­sei­tig vor­le­sen. Klei­ne­re Kin­der kön­nen etwas malen oder bas­teln (auch mit einem Foto der Per­son), das als Sym­bol für ihre schö­nen Erin­ne­run­gen oder auch ihre Trau­rig­keit steht.

Es ist sehr wich­tig, dass man vor allem auch dar­über spricht, was beim Begräb­nis gesche­hen wird. In den Mona­ten nach dem Tod ist es ele­men­tar, den Uropa in der Fami­lie „am Leben zu erhal­ten” und über ihn zu spre­chen. Ein Foto von ihm auf­zu­stel­len hilft dabei, ihn wei­ter­hin im All­tag ein­zu­bin­den.

Der Pro­zess der Trau­er von Dei­nem Kind unter­schei­det sich sehr von Dei­nem: Du erlebst oft eine lan­ge Zeit der Trau­rig­keit. Dein Kind dage­gen erlebt Trau­er in Wel­len. Dein Zwerg spielt in einem Moment noch, lacht oder strei­tet sich, fin­den sie sich im nächs­ten mit­ten in ihrem Trau­er­pro­zess wie­der. Die Trau­rig­keit kommt qua­si aus dem Nichts und ver­schwin­det nach eini­ger Zeit wie­der. Du soll­test dann Dei­ne Auf­merk­sam­keit auf die Gefüh­le Dei­nes Kin­des rich­ten, ihm eine Schul­ter zum Wei­nen anbie­ten und in Ruhe mit ihm dar­über spre­chen.

Alters­spe­zi­fi­sche Unter­schie­de:

Bis 4 Jah­ren: Bis zum 3–4. Lebens­jahr begrei­fen klei­ne Kin­der nicht die End­gül­tig­keit des Todes. Kogni­tiv wie auch erleb­nis­ori­en­tiert ist die­ses vom kind­li­chen Vor­stel­lungs­ver­mö­gen aus­ge­schlos­sen. Ihr Erle­ben ist es viel­mehr: „Ich wer­de zum Kin­der­gar­ten gebracht – und wie­der abge­holt. Mama geht zur Arbeit – und kommt wie­der“. Dass ein Eltern­teil das Haus ver­lässt und nicht zurück­kehrt, ist in der Regel nicht der Fall. Tod und Trau­er müs­sen Kin­der letzt­end­lich am eige­nen Kör­per erfah­ren und sich damit aus­ein­an­der­set­zen.

Ab dem 4. Lebens­jahr: Jetzt fan­gen Kin­der an, Fra­gen zum Tod zu stel­len. Sie sind durch den Gedan­ken an den Tod nicht emo­tio­nal betrof­fen, eher neu­gie­rig und inter­es­siert. Haben sie es in ihrem engs­ten Umfeld nicht erlebt, glau­ben Kin­der vor­erst, nur ande­re ster­ben. Erfah­ren Kin­der, dass auch Eltern ster­ben kön­nen, ist manch­mal die Sor­ge um Woh­nung, Essen und Trin­ken grö­ßer, als der mög­li­che Ver­lust von Mamas kör­per­li­cher Nähe.

Spä­tes­tens mit 6 Jah­ren: Nun hat jedes Kind Kon­takt mit dem Tod gehabt, sei es durch den Tod in der Fami­lie, bei einem Haus­tier, der toten Maus im Gar­ten oder Nach­rich­ten­mel­dun­gen von Kata­stro­phen, Krie­gen und Ver­bre­chen. In die­sem Alter begin­nen laut Jesper Juul die „ers­ten phi­lo­so­phi­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen“ mit dem Tod.

Ab 10 Jah­ren: Die End­gül­tig­keit des Todes, den bio­lo­gi­schen Tod, haben Kin­der meist mit spä­tes­tens 10 Jah­ren ver­stan­den und begrif­fen.

Kind­ge­rech­te Infor­ma­tio­nen sind ganz wich­tig. Ins­be­son­de­re, wenn Dein Kind mit zu einer Beer­di­gung genom­men wird. Erklä­re Dei­nem Kind vor­her wie es dort aus­sieht, wie es sich anfühlt, was gemacht wird und war­um.

Hier ein paar typi­sche Nach­fra­gen eines Kin­des:

Was ist, wenn der Uropa wie­der auf­wacht? Friert er denn nicht in dem kal­ten Sarg? War­um wer­fen die Leu­te Erde auf den Sarg? Was pas­siert, wenn man stirbt — kommt man dann in den Him­mel? Wie­so ist er gestor­ben? Kommt er nie­mals wie­der? Kann ich und kannst Du auch ster­ben?“

Für Kin­der ist es wesent­lich, den Pro­zess des Ster­bens als Schnitt­stel­le zwi­schen Leben und Tod zu begrei­fen. Dass der tote Uropa nichts mehr rie­chen, essen, sehen und hören kann, dass er kei­ne Schmer­zen mehr hat und nicht friert, sind für Kin­der wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen, die sie in ihrer Trau­er­ar­beit ein­ord­nen kön­nen. So ist der Satz „Gott hat den Opa zu sich geholt“ für Kin­der im Prin­zip zu abs­trakt.

Sei bei den Ant­wor­ten auf­rich­tig zu Dei­nem Kind. Kin­der spü­ren sehr genau, wenn wir ihnen etwas ver­heim­li­chen oder ihnen nicht die Wahr­heit sagen. Es ist bes­ser, ehr­lich zuzu­ge­ben, dass man selbst kei­ne Erklä­rung oder Ant­wort hat. Und – ver­ges­se nicht: Dein Ver­hal­ten prägt das Dei­nes Kin­des. Wenn Du selbst ein „schwie­ri­ges Ver­hält­nis“ mit Tod und Ster­ben hast, wird sich das sehr deut­lich auf Dein Kind über­tra­gen.

Und zum guten Schluss noch ein paar Fra­gen, über die Du ein­fach mal nach­den­ken kannst, denn eini­ge die­ser Sät­ze wirst Du sicher­lich irgend­wann von Dei­nem Zwerg gestellt bekom­men:

· War­um stirbt man über­haupt?
· Hat man etwas falsch gemacht?
· Kann ich mir erfolg­reich wün­schen, nicht zu ster­ben oder dass ein ande­rer stirbt?
· Ster­ben wirk­lich alle? Pas­siert das jedem, also auch mir?
· Ist der Tod end­gül­tig oder nur eine Pha­se?
· Wie ist es tot zu sein? Was macht man dann?
· Womit kann man „tot sein“ ver­glei­chen?

Wie sagt Jesper Juul so schön „Trau­rig­keit ist ein not­wen­di­ger Teil des Lebens, sozu­sa­gen der untrenn­ba­re Zwil­ling des Glück­lich­seins. Noch wich­ti­ger ist es, dass Eltern ein Vor­bild für ihre Kin­der sind. Wenn wir als Eltern unse­re essen­zi­el­len Gefüh­le vor unse­ren Kin­der ver­ste­cken, lau­fen wir Gefahr, dass sich unse­re Kin­der von ihren Gefüh­len distan­zie­ren.“

In die­sem Sinne…Lasse Dein Kind immer wie­der an Dei­nen Emo­tio­nen teil­ha­ben. Dadurch eig­net es sich etwas sehr wich­ti­ges an: Lebens­kom­pe­tenz.

Für Madi­ta: Ruhe in Frie­den, klei­ne See­le. Tau­send Dank für jeden Regen­bo­gen, den Du uns schickst. Wir ver­mis­sen Dich.

Bild­nach­weis: Flickr |Den Topf mit Gold holen wir uns | Anfueh­rer
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