Trotzphase Klappe die III: WENN ALLES SCHIEF GEHT
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Ich bin verzweifelt. Wirklich. Da hast Du Deinen Wichtel erfolgreich den Schnuller abgewöhnt und wähnst Dich auf der Zielgeraden für alles Weitere und dann passiert während der Trotzphase folgendes:
Es ist Sonntag Mittag. Plötzlich entscheidet Mr. Selbständig, dass er keine Windel mehr benötigt. Er ist 2,5 Jahre alt und Du weißt, Du und Deine Partnerin seid in drei Tagen für einige Zeit beruflich verreist. Bedeutet: Sch… Timing.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Töpfchen
Du denkst Dir, hm, echt nicht ideal, junger Mann. Also Windel an. Er denkt sich: Nö auf keinen Fall. Ich klemme die Beine einfach so feste zusammen, dass da noch nicht einmal ein Blatt Seidenpapier zwischen passen würde. Du dann laut: „Komm’ schon, zumindest im Bett bleibt die Windel an, während Du schläfst.“ Er darauf: „Ne, ich will aber nicht. Die Windel ist doof und ab jetzt gehe ich auf das Töpfchen. Immer.“
Von dem Geschrei aktiviert kommt Deine Partnerin und versteht durch Deinen verzweifelten Blickkontakt innerhalb von 0,3 Sekunden worum es geht.
Sie dann: „Kein Problem. Ich habe bereits Matratzenschutz. Matratzenunterlagen und Boxershorts für ihn gekauft.“ Ich: „Wie? Wann? Woher wusstest Du und überhaupt?“ Frauen sind nicht von dieser Welt, Jungs. Eine Laune der Natur. Sie werden mir für immer ein Rätsel bleiben.
Lerne: Nichts im Leben bekommst Du ohne Gegenleistung
Zu meiner Überraschung waren auch die Großeltern voller Eifer und bestens ausgerüstet. Das musikalische Töpfchen stand bereits im Keller und wartete auf seinen großen Tag und Einsatz. Also wir wieder kamen, war Viktor durch das professionelle Trainingslager zu 95 Prozent trocken. Auch in der Kita unterstützte man seine Selbständigkeit perfekt.
Wir waren fassungslos vor Glück und feierten „the next level“. Das hätten wir mal lieber nicht getan. Denn ein paar Tage später erhielten wir einen Anruf aus der Kita. Viktor weinte ohne sich beruhigen zu lassen. Er hatte weder Fieber noch Durchfall. Gar nichts. Als ich ihn abholte, sprang er auf, als er mich sah und hatte direkt eine Idee, was wir machen könnten: „Sollen wir Franko besuchen?“ Franko ist der Eisverkäufer. Es war 10.00 Uhr morgens in Deutschland und mir war sofort bewußt, wie die nächsten Wochen aussehen würden.
Denn eines war klar: Die Tür hatte sich nun geöffnet (ich weine und man holt mich ab) und das Learning eines Kindes ist beeindruckend. Natürlich wurde ab da jeder Tag zum Kampf der Giganten. Das Geschrei fing bereits auf dem Parkplatz vor der Kita an und konnte bis zu 50 Minuten andauern.
Viktor hatte aber an Tag 3 bereits eine Lösung parat: Ich will wieder einen Schnuller wie die anderen Kinder. Was tun? Ich nur: „Alles klar. Ich bringe Dich in die Gruppe und kaufe Dir schnell im Drogeriemarkt einen Schnuller. Das dauert nicht lange.“ Gesagt getan. Und er blieb tatsächlich in der Kita und weinte nur ein wenig. Nicht super, aber ok.
Nachteil: Du kannst Dir das Gesicht meiner Frau vorstellen…“Da schreit er mal und schon knickst Du ein und kaufst ihm einen Schnuller?! Dieses Mal schläfst Du aber händchenhaltend 15 Tage an seinem Bett während der Schnullerentwöhnung.“ #FairEnough
Ich präsentiere das Paar des Jahres: Frau Krankheit und Herr Schnuller
Die Woche darauf wurde er dann krank und in der Zeit des „Ausnahmezustandes“ waren wir tatsächlich froh, dass er sich mit dem Schnuller so leicht beruhigen ließ, wenn er sich zum Beispiel nachts übergeben musste oder sich vor Hustenanfällen schüttelte oder durch die Fieberschübe weinte.
Ich brauche nicht erwähnen, dass der Schnuller nach den zwei Wochen wieder fester Bestandteil seiner Nächte wurde und keine Schnullerfee dieser oder einer anderen Welt eine Chance hatte ihn mit einem tollen Geschenk das Dingen wieder abspenstig zu machen. Selbst ein riesiger Hund war zwar einen Abend so spannend, dass er den Schnuller an den Baum draußen hängte, doch einige Minuten später stand er schon an der Tür und schrie: „ Ich will keinen doofen Hund, ich will meinen Schnuller zurück. Jetzt!“
Wahrscheinlich bleibt der Schnuller erst einmal bei uns. Dafür sind die Windeln Geschichte. Gut, dachten wir bei dem Schnuller auch. #IchBinNichtKompliziertSondernEineHerausforderung

