Schwangerschaft Team Dad - Team Mum

TEAM DAD-TEAM MUM: ÜBEL­KEIT IN DER SCHWAN­GER­SCHAFT

By on 21. August 2017

[8 Minu­ten — durch­schnitt­li­che Lese­zeit]

TEAM DAD:

Das Leben ist manch­mal hart wie Stahl und es trifft einen immer uner­war­tet. So war es auch, als die Übel­keit in der Schwan­ger­schaft ange­trabt kam: vol­le Breit­sei­te und ohne Hoff­nung auf eine bal­di­ge Bes­se­rung.

Als Lisa und ich schwan­ger wur­den, waren wir erst über­glück­lich und wir wein­ten vor Freu­de. Doch plötz­lich kam ein Schwall Sor­ge in uns auf. Wir beka­men Angst vor dem Unge­wis­sen und der rie­si­gen Ver­ant­wor­tung. Die­se Gefüh­le kamen inner­halb von weni­gen Sekun­den gleich­zei­tig in uns auf und schüt­tel­ten uns kräf­tig durch. Das war in der 5. SSW (Schwan­ger­schafts­wo­che). Das war aber erst ein Vor­ge­schmack des­sen, was uns danach ereil­te.

Eine Woche spä­ter begann eine Zeit, die sowohl für Lisa als auch für mich bereits eine ers­te Belas­tungs­pro­be dar­stel­len soll­te. Die Übel­keit in der Früh­schwan­ger­schaft ist weit ver­brei­tet, aber bei jeder Frau kann die­ser Zustand anders aus­ge­prägt sein. Man­chen Frau­en ist nur flau im Magen. Ande­ren ver­dirbt ein bestimm­ter Geruch jeden Appe­tit. Den Frau­en, die es am schlimms­ten trifft, ist über Tage und Wochen hin­weg von mor­gens bis abends spei­übel.

Lisa gehör­te zur Spei­übel-Frak­ti­on. Ich erkann­te sie nicht wie­der. Vor­her hat­te sie wirk­lich Hum­meln im Hin­tern, sie war immer gut drauf und vor allen Din­gen ger­ne im Ein­satz. Doch von einem Tag auf den ande­ren war sie wie aus­ge­wech­selt. Sie war stän­dig betrübt, konn­te nicht auf­ste­hen ohne vor­her zumin­dest ein Zwie­back oder einen Apfel zu geges­sen zu haben, ihr war rund um die Uhr übel, sie war extrem geruchs­emp­find­lich, müde, erschöpft und wein­te selbst bei den Nach­rich­ten.

Anfangs dach­te ich, ok, doch nach einem Monat wur­de ich mür­be und gebe zu, dass ich mir teil­wei­se über­leg­te, ob Lisa sich da rein­stei­gert hat , da ande­re Schwan­ge­re wesent­lich bes­ser damit klar kamen bzw. gar kei­ne Sym­pto­me die­ser Art hat­ten. Ich war genervt und fühl­te, dass wir nicht mehr Herr der Lage waren. Die­se Ohn­macht, dass ich nichts tun konn­te, lähm­te mich auch in ande­ren Lebens­be­rei­chen. Als die Gynä­ko­lo­gin sie dann ins Kran­ken­haus schick­te wegen der zu star­ken Gewichts­ab­nah­me und der Dehy­drie­rung, hat­te ich ein schlech­tes Gewis­sen, dass ich über­haupt sol­che Gedan­ken hat­te.

Fazit mei­ner­seits:

Es war eine lehr­rei­che Zeit für uns als Paar und für mich als bal­di­ger Vater. Ich muss­te mich von Jetzt auf Gleich im Kopf umstel­len und für Lisa sor­gen. Am Ende stell­te sich her­aus, dass es für Lisa und Vik­tor das Bes­te war. Denn Lisa muss­te von Voll­dampf in der Arbeit und Pri­vat run­ter­fah­ren, um Vik­tor die ent­spann­te Schwan­ger­schaft zu geben, die er anschei­nend benö­tig­te. Zudem dank­te er uns das Gan­ze, indem er ein abso­lut ent­spann­tes Anfän­gerba­by war, das am liebs­ten schlief, gesund war und uns jede Sekun­de ver­zau­ber­te.

Mei­ne Tipps für Dich:

Klei­ne Übung, um Dich in Dei­ne Part­ne­rin hin­ein­zu­ver­set­zen: Gehe mit Dei­nen Jungs sooo rich­tig einen Trin­ken.

Das ist der ein­fa­che Teil der Übung. Dann gehe ins Bett. Der nächs­te Mor­gen ist das Wich­ti­ge und die har­te Leh­re.

  • Wie fühlst Du Dich?
  • Wie bist Du gelaunt?
  • Was emp­fin­dest Du, wenn Dich der Por­zel­lan­gott zu sich ruft, um ihn zu prei­sen?
  • Bist Du eher aktiv und vol­ler guter Lau­ne oder liegst Du pas­siv ohne Moti­va­ti­on für nichts auf dem Sofa?
  • Möch­test Du für­sorg­li­che Voll­ver­pfle­gung und das Rund­um-Sorg­los-Pro­gramm von Dei­ner ver­ständ­nis­vol­len Part­ne­rin oder möch­test Du lie­ber einen Tritt in den Hin­tern, Augen die sich ver­dre­hen und Sprü­che, ob Du Dich doch mal zusam­men rei­ßen könn­test?

Mit­den­ken:

  • Online auch recher­chie­ren, was bei Übel­keit hel­fen könn­te
  • In der Apo­the­ke fra­gen, was der Apo­the­ker dei­nes Ver­trau­ens emp­feh­len wür­de und es ein­fach mit­brin­gen
  • Ihre Füße mas­sie­ren
  • Immer dafür sor­gen, dass das, was sie gera­de essen möch­te, auch zu Hau­se vor­rä­tig ist
  • Spon­ta­n­ein­käu­fe bei der Tank­stel­le für einen Spe­cial-Wunsch ein­fach ohne zu Nör­geln anbie­ten
  • Uner­war­tet Blu­men mit­brin­gen
  • Frei­wil­lig roman­ti­sche Fil­me mit ihr schau­en
  • Unge­fragt aus einem Kin­der­ca­fé und in der Apo­the­ke kos­ten­lo­se Baby­ma­ga­zi­ne wie kids­go, kizz und libel­le mit­brin­gen
  • Sie zur Gynä­ko­lo­gin beglei­ten
  • Kol­le­gin­nen fra­gen, ob sie Tipps haben
  • Bei Pin­te­rest Ide­en für die Geburts­kar­te recher­chie­ren und sie damit über­ra­schen, etc.

Mein per­sön­li­ches Haupt­ar­gu­ment im Rück­blick:

Stel­le Dir das mal vor…Du und Dei­ne Part­ne­rin wer­det bald ein klit­ze­klei­nes Wesen in euren Armen hal­ten und das habt ihr bei­de zusam­men erschaf­fen. Aus dem Nichts. Das ist ein Wun­der. Und Dei­ne Part­ne­rin nimmt die Auf­ga­be kom­plett auf sich, um mit ihrem Kör­per die­sen Kraft­akt zu voll­brin­gen. Eigent­lich ist es unvor­stell­bar, dass das mög­lich ist: ein klei­nes Wesen ent­wi­ckelt sich in ihrem Bauch und wird natür­lich auch auf Kos­ten der Kraft und Ener­gie Dei­ner Part­ne­rin zu einem voll­stän­di­gen Men­schen mit Mini-Händ­chen und –Füßen. Wenn man das bedenkt, ist plötz­lich alles so lächer­lich, wovon man genervt ist. Alles rela­ti­viert sich mit die­sem kla­ren Bild: Dei­ne Part­ne­rin erschafft Leben. Da kann darf sie ruhig mal ein paar Mona­te von uns umsorgt wer­den und beklopp­te Wün­sche äußern. Nach der Geburt ist es näm­lich erst ein­mal vor­bei damit. Da steht der Wurm im Mit­tel­punkt und wird eure gan­ze Auf­merk­sam­keit für sich rekla­mie­ren.

 

TEAM MUM:

Hal­lo, ich bin Lisa und hat­te ES (EXTRE­ME SCHWAN­GER­SCHAFT). Und ich gebe zu: Es traf mich knüp­pel­hart, unter­war­tet und streck­te mich im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes nie­der. Da half es auch nicht, dass mei­ne Gynä­ko­lo­gin sag­te, dass ich mich in bes­ter Gesell­schaft befin­de, da die eng­li­sche Prin­zes­sin auch unter die­ser aus­ge­präg­ten Form der Schwan­ger­schafts­übel­keit litt. Zudem durf­ten wir es anfangs nie­man­dem erzäh­len, da wir bis zur 12. SSW war­ten woll­ten. Nur unse­re Fami­li­en erfuh­ren davon. Fast zwei Mona­te muss­ten wir unser Umfeld auf Abstand hal­ten und mein merk­wür­di­ges Ver­hal­ten mit nebu­lö­sen Krank­hei­ten erklä­ren. Ich has­se Geheim­nis­krä­me­rei und noch mehr has­se ich stän­di­ge Übel­keit mit Erbre­chen. Und plötz­lich war ich die 8-Mil­lio­nen-Dol­lar-Frau, da ich einen wirk­lich sen­sa­tio­nel­len Geruchs­sinn ent­wi­ckel­te und gleich­zei­tig wur­de ich irgend­wie brä­sig wie ein debi­ler Ein­zel­ler, da ich stän­dig Din­ge ver­gaß und mich kaum noch auf eine Sache kon­zen­trie­ren konn­te.

Mei­ne Lieb­lings­be­schäf­ti­gung wur­de wei­nen, denn mei­ne neu­es Ich war mir extrem unan­ge­nehm gegen­über Leo. Nach und nach konn­te ich mich selbst nicht mehr ernst neh­men. Ich fühl­te mich hun­de­elend, dumm, ver­sack­te in eine Nega­tiv-Spi­ra­le und hat­te Sehn­sucht nach mei­nem alten Ich.

Jeden Tag hoff­te ich auf urplötz­li­che Gene­sung. Doch nichts pas­sier­te. 6 Kilo hat­te ich bereits abge­nom­men und es war nicht so, dass ich mich dar­über freu­en konn­te. Ich sah aus wie eine mage­re, fah­le, ver­heul­te und unglück­li­che Zie­ge. Selbst von Was­ser muss­te ich mich teil­wei­se mehr­fach pro Tag über­ge­ben. Lesen war mitt­ler­wei­le zu anstren­gend und auch fern­se­hen woll­te ich nicht.

Es gab Tage, an denen ich nur an die Decke schau­te und ver­such­te den Tee in mir zu hal­ten. Das Schlimms­te war, dass mei­ne Ärz­tin mir noch nicht ein­mal ver­spre­chen konn­te, dass es vor der Geburt bes­ser wird. Es gäbe Fäl­le, bei denen die Hor­mo­ne bis zur Ent­bin­dung eine rie­si­ge Abriss­par­ty wie die­se im Kör­per der über­rum­pel­ten Wir­tin fei­ern. #Beru­hi­gen­dI­stAn­ders

Bei den meis­ten wür­de es aber um die 12.–15. SSW von einem Tag auf den ande­ren ver­schwin­den. Genau so, wie es gekom­men war.

Irgend­wann akzep­tier­te ich die­sen Sta­tus und kämpf­te nicht mehr dage­gen. Und dann wur­de es irgend­wie bes­ser. Nicht kör­per­lich, aber für mich und mei­ne inne­re Hal­tung. Ich ent­wi­ckel­te einen gewis­sen Gal­gen­hu­mor und ver­such­te so Leo und mir unse­re alte Leich­tig­keit wie­der zu geben. Das gelang mir an einen Tagen bes­ser als an ande­ren. Aber auch für Vik­tor woll­te ich wie­der posi­tiv den­ken. Ich woll­te ihn spü­ren las­sen, dass das OK für mich ist und ich ihn lie­be, auch wenn er mich ganz schön fer­tig macht. Und das, obwohl ich ihn noch nie gese­hen habe. Wie sag­te eine lie­be Freun­din mir schon eini­ge Jah­re zuvor zum The­ma Schwan­ger­schaft: #EineSchwan­ger­schaf­tIst­Kei­ne­Schön­heits­kur Und da soll­te sie recht behal­ten.

Mei­ne Ärz­tin erzähl­te mir so schö­ne Geschich­ten wie „die Kin­der sol­cher extre­men Schwan­ger­schaf­ten sind meis­tens gesun­de, ent­spann­te und lie­be Säug­lin­ge“ und ich sol­le mir kei­ne Sor­gen machen, die Natur sei schlau und wir soll­ten am bes­ten in den Urlaub fah­ren. Manch­mal wür­de so ein Tape­ten­wech­sel wah­re Wun­der bewir­ken. Den Urlaub hat­ten wir eh geplant – bereits vor dem Wis­sen der Schwan­ger­schaft – und ehr­lich gesagt mach­te mir der Flug eher Sor­gen, als dass ich mich dar­über freu­en konn­te.

Tag des Abflu­ges: Wir hat­ten SSW 13 und ich wuss­te nicht, ob sich der Urlaub über­haupt loh­nen wür­de, wenn ich sowie­so die meis­te Zeit im Hotel­zim­mer ver­brin­gen muss. Ich pack­te ein gan­zes Brot in die Hand­ta­sche und hoff­te auf das Bes­te. Und das Wun­der geschah: Auf der Lieb­lings­in­sel der Deut­schen ange­kom­men, kam der Hun­ger zurück und wir schlemm­ten uns durch die mal­lor­qui­ni­schen Restau­rants. Kein ein­zi­ges Mal muss­te ich mich über­ge­ben. Ab und zu ein wenig Übel­keit am Mor­gen, aber wirk­lich über­schau­bar und mit einem Stück Apfel direkt unter Kon­trol­le zu brin­gen. Ab da nann­ten wir es nur noch das Wun­der von Mal­lor­ca. Auch nach dem Heim­flug kam die Übel­keit nicht wie­der. Im Gegen­teil: ich war vol­ler Ener­gie und Taten­drang. Die Ver­gess­lich­keit blieb jedoch und wur­de wäh­rend des Stil­lens noch schlim­mer. Zum Amü­se­ment aller, da ich bis dato als die mit dem Ele­fan­ten­ge­dächt­nis berühmt berüch­tigt war und nun das Erin­ne­rungs­ver­mö­gen einer Ein­tags­flie­ge hat­te. Egal Karl, wie Vik­tor sagen wür­de. Haupt­sa­che gesund. #Kar­maIs­AB­itch

Mei­ne Tipps gegen die Übel­keit:

Am bes­ten hal­fen mir Lutsch­bon­bons. Ich habe mir ver­schie­de­ne Sor­ten in der Dro­ge­rie gekauft wie Sal­bei und Kräu­ter­bon­bons und sie eigent­lich stän­dig gelutscht.

Wenn es hef­tig war und der Schwin­del kam, dann habe ich das Bach­blü­ten-Not­fallspray aus der Apo­the­ke genom­men. Das hat sofort gewirkt. Zwei Stö­ße auf die Zun­ge.

Auch Aku­pres­sur-Arm­bän­der kön­nen gut hel­fen: SEA-Band (ca. 10€) — mir haben sie unge­fähr zwei Wochen gut gehol­fen. Danach lei­der nicht mehr. Aber immer­hin.

In der Tasche hat­te ich immer fri­sches Brot mit etwas But­ter, Zwie­back sowie Salz­stan­gen und aß regel­mä­ßig, damit mein Blut­zu­cker­spie­gel nicht so absinkt.

Am Nacht­tisch hat­te ich auch Zwie­back lie­gen mit Tee (meist Kamil­le, Pfef­fer­min­ze oder Fen­chel, Anis, Küm­mel), damit ich direkt vor dem Auf­ste­hen etwas essen und trin­ken konn­te.

Und klein­ge­schnit­te­ne Äpfel und Möh­ren taten mir gut. War­um auch immer.

Eine Freun­din hat Vomex A von ihrer Ärz­tin emp­foh­len bekom­men. Ich hat­te es zu spät erfah­ren, sodass ich lei­der kei­ne eige­ne Erfah­rung dazu habe.

All­ge­mein hel­fen bei mir aber Vomex sehr gut, wenn mir übel ist.

Link mit wei­te­ren 15 Tipps gegen Schwan­ger­schafts­übel­keit: http://www.liliput-lounge.de/themen/tipps-gegen-schwangerschaftsuebelkeit/

Bild­nach­weis: Flickr |Bauch 2012 | Maik Meid
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