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STUM­MER SCHREI NACH LIE­BE: WENN KIN­DER BEIS­SEN

By on 29. Dezember 2017

[3 Minu­ten — durch­schnitt­li­che Lese­zeit]

Hau­en, Bei­ßen und Co: Wie san­gen es schon die Ärz­te?! „Gewalt ist nur ein stum­mer Schrei nach Lie­be“. Es wird Pha­sen im Leben Dei­nes Kin­des geben, an denen kommst Du nicht vor­bei. Es wird zum Bei­spiel zwi­schen­durch „kräf­tig aus­tei­len“. Ins­be­son­de­re wenn die Zwer­ge kör­per­lich eini­ger­ma­ßen fit wer­den, aber geis­tig noch nicht auf dem Höhe­punkt ihres Schaf­fens sind, sprich moto­risch wei­ter sind als sprach­lich. Da kann es pas­sie­ren, dass Dein Zwerg sein Revier und/oder sei­ne Spiel­zeu­ge mit aller Kraft ver­tei­digt. Boxen, Krat­zen, Bei­ßen, Schupsen…Fäuste tan­zen las­sen.

Kräf­te­mes­sen steht plötz­lich an der Tages­ord­nung. Das kommt nicht unbe­dingt gut an auf dem Spiel­platz, das kann ich Dir schon ein­mal ver­ra­ten. Aber wie gesagt, es ist eine Pha­se und wird nach ein paar Wochen spä­tes­tens Mona­ten vor­bei sein.

Was mache ich, wenn mein Kind ande­re Kin­der schlägt?

Wie mit allen Din­gen, ist inak­zep­ta­bles Ver­hal­ten etwas, was man als Erzie­hungs­be­rech­tig­ter nicht weg­lä­cheln kann, son­dern mit kla­ren Ansa­gen und ein­deu­ti­gem Ton­fall unter­bin­den muss. Bestimmt Auf­tre­ten und kon­se­quent Han­deln lau­ten hier die Zau­ber­wor­te. Das klingt ein­fach, ist es lei­der nicht im All­tag.

Du kennst bestimmt fol­gen­de Situa­tio­nen: Ent­we­der flip­pen Eltern förm­lich aus, wenn ihr Kind nur ein Glas Was­ser im Gar­ten von Dir ver­schüt­tet und tadeln es, als hät­te es eure Ming-Vase absicht­lich die Trep­pe run­ter­rol­len las­sen. Oder ande­res Extrem: Die Eltern blei­ben erschre­ckend teil­nahms­los, obwohl ihr Kind gera­de eure Hüt­te abreißt. Denn den Zwerg gewäh­ren las­sen bzw. mit gleich­gül­ti­gem Ton eine Stan­dart­flos­kel säu­seln wie „Das ist aber gar nicht lieb von Dir“ oder „Wenn Du Dich so ver­hältst, will bald kein Kind mehr mit Dir spie­len“ bringt über­haupt nichts. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber hät­te Dich so etwas als Kind auf irgend­ei­ne Wei­se beein­druckt oder Dich abge­hal­ten? Wohl kaum. Außer, wenn Du sowie­so bereits unter einer Angst­stö­rung gelit­ten und ein über­durch­schnitt­lich schreck­haf­tes Wesen von Geburt an gehabt hät­test.

In bei­den Extrem­fäl­len denkt man sich, dass da defi­ni­tiv etwas mäch­tig schief läuft.

Grund­sätz­lich ist hier Diplo­ma­tie gefragt. Vie­le Päd­ago­gen set­zen auf Aus­zei­ten und Vor­teils­ent­zug. Dazu gibt es vie­le Rat­ge­ber und Du musst schau­en, wel­cher zu Dir und Dei­nem Kind passt.

Darf sich mein Kind weh­ren?

Wir haben Vik­tor weder bei­ge­bracht, dass er zurück schla­gen (krat­zen, bei­ßen ‚etc,) soll noch, dass er die rech­te Wan­ge auch noch hin­hal­ten muss. Nächs­ten­lie­be in Ehren. Es geht näm­lich nicht dar­um, Dei­nem Kind Neh­mer­qua­li­tä­ten bei­zu­brin­gen nach dem Mot­to: Du darfst Dich nicht weh­ren – egal was pas­siert. Man soll­te dem Zwerg zei­gen, dass er Kin­dern, die ihn angrei­fen kla­re Signa­le set­zen muss.

Vik­tor lern­te sowohl im Kin­der­gar­ten als auch bei uns, dass es in Ord­nung ist, dass er sich oder sein aktu­el­les Hab und Gut ver­tei­digt. Ganz kon­kret hebt er die Arme vor das Gesicht und ruft laut und bestimmt: „Stopp, nein. Ich will das nicht“. Im Lau­fe der Zeit und mit wach­sen­dem Bewusst­sein ent­wi­ckeln die Zwer­ge auch eige­ne Metho­den. Aber anfangs benö­ti­gen sie eine gewis­se Hil­fe­stel­lung.

Es wird Pha­sen geben, da tau­chen unge­lieb­te Ver­hal­tens­wei­sen wie Hau­en oder Krat­zen wie­der auf. Zum Bei­spiel bei Krank­hei­ten. Erfah­rungs­ge­mäß star­tet die Sai­son im Okto­ber. Vik­tor war zwei Wochen wirk­lich sehr krank und plötz­lich mein­te er, dass er sei­ne eh bereits ner­vi­ge Quen­ge­lei noch mit Gewalt gegen uns unter­strei­chen muss. Nach­dem wir 27 Mal „Nein das will ich nicht. Das tut mir weh“ mit kla­rer, aber rela­tiv lei­sem Ton gesagt haben, war der Spuk gleich­zei­tig mit der Krank­heit nach eini­ger Zeit wie­der vor­bei.

Wenn Kin­der sich selbst ver­let­zen oder Nägel kau­en

Was auch häu­fig zu Irri­ta­tio­nen führt: Wenn Dein Zwerg sich selbst absicht­lich durch Krat­zen oder sons­ti­ges ver­letzt oder plötz­lich ner­vös wir­ken­de Ange­wohn­hei­ten wie Nägel kau­en an den Tag legt. Ich ken­ne kaum ein Kind, dass so eine Pha­se nicht hat­te und alle Eltern reagie­ren gleich: sie ver­su­chen den Zwerg davon abzu­hal­ten. Wir ver­hiel­ten uns ähn­lich und schrie­ben es uns für die nächs­te U-Unter­su­chung auf die Fra­gen­lis­te der Kin­der­ärz­tin.

Die wie­der­um zeig­te kaum eine Reak­ti­on, son­dern mein­te nur gelas­sen, dass sich das von allei­ne legt, wenn man dem Ver­hal­ten kei­ne Auf­merk­sam­keit schenkt. Genau so war es am Ende. Ehr­lich gesagt weiß ich gar nicht mehr, wann Vik­tor damit auf­hör­te, da wir es tat­säch­lich kom­plett igno­riert haben und ohne dass wir es merk­ten, war das Nägel­kau­en ver­schwun­den.

Das Aller­wich­tigs­te: Ganz gleich was passiert…mit unend­li­cher Lie­be, Anpas­sungs­fä­hig­keit auf die Pha­sen Dei­nes Kin­des, gna­den­lo­se Geduld und einer Ton­ne Spu­cke wirst Du Dein Kind schon schau­keln.

Bild­nach­weis: Flickr |Infant Karen­ni Boy |Joey Mara­sek
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