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ECH­TE GEWIN­NER: SOLL ICH DEN ZWERG ABSICHT­LICH GEWIN­NEN LAS­SEN?

By on 16. November 2017

[4 Minu­ten — durch­schnitt­li­che Lese­zeit]

Ich gebe zu, dass „Gewin­nen las­sen“ ein sehr pola­ri­sie­ren­des The­ma ist und mich seit Jah­ren ver­folgt. Ein guter Freund (nen­nen wir ihn Thors­ten) erzähl­te mir, dass sei­ne Eltern sei­ne Nef­fen grund­sätz­lich bei Glücks- sowie Stra­te­gie­spie­len gewin­nen lie­ßen. Sprich sie muss­ten bei Glücks­spie­len sogar schum­meln, um den Zwer­gen den ver­meint­lich wohl­ver­dien­ten Sieg zu über­las­sen. Bei Stra­te­gie­spie­len lie­ßen sie ihnen aus Fair­ness­grün­den Vor­sprung und meist muss­ten sie trotz­dem am Ende mal mehr mal weni­ger offen­sicht­lich dem Sie­ger auf sei­nen Ehren­po­dest ver­hel­fen.

Damals hat­te Thors­ten noch kei­ne Kin­der und er fand das gan­ze lie­bens­wür­di­ge Getue ner­vig bis lang­wei­lig für die erwach­se­nen Mit­spie­ler. Gut, ich bin gera­de nicht ehr­lich. Eigent­lich ging es ihm mäch­tig auf den Zwirn, dass die­se Kin­der in rosa Wat­te ein­ge­packt wur­den und mein­te: „Sor­ry, aber das wah­re Leben sieht anders aus und wie und wann sol­len sie gefäl­ligst ler­nen, dass sie gar nicht so gut sind, wie gedacht.“ Er fand es ein­fach nicht son­der­lich ziel­füh­rend für die Ent­wick­lung der Kin­der. Denn: Natür­lich waren die­se Kin­der extrem schlech­te Ver­lie­rer. Woher er das weiß?! Er hat­te sie sel­ten absicht­lich gewin­nen las­sen – aus Prin­zip und ern­te­te dafür jedes Mal böse Bli­cke von sei­nen Eltern, wenn das Geschrei der Ver­lie­rer los­ging. Das war ihm aber egal, da er den gro­ßen Vor­teil hat­te am Ende des Abends gehen zu dür­fen. #NoT­ime­For­Lo­sers. Er wur­de irgend­wann nicht mehr von sei­nen Eltern zu den fami­liä­ren Spie­le­aben­den ein­ge­la­den.

In das Cham­pi­on-Kon­to ein­zah­len

Eini­ge graue Haa­re spä­ter und ein biss­chen alters­wei­ser durch den eige­nen Nach­wuchs, sieht auch er die Sache etwas dif­fe­ren­zier­ter. Eine Freun­din mit drei Kin­dern erzähl­te mir sogar, dass sie unter ande­rem aus dem Grun­de einen Erzie­hungs­coach auf­ge­sucht hat­te. Der sag­te, dass bis zum Schul­al­ter Kin­der für ihr Selbst­wert­ge­fühl sol­che spie­le­ri­schen Sie­ge benö­ti­gen, da sie im All­tag sowie­so meist das Gefühl hät­ten, den Kür­ze­ren gegen­über den Eltern und Kin­der­gärt­nern zu zie­hen. Das klang recht plau­si­bel: Man zahlt sozu­sa­gen auf ihr Cham­pi­on-Kon­to ein, damit es mit dem Loser-Kon­to wie­der ein wenig im Aus­gleich ist.

Aber ganz ehr­lich: So ganz befrie­di­gend fand ich die­se Stra­te­gie nicht. Ich recher­chier­te daher flei­ßig wei­ter. Du ahnst es sicher bereits: Wie immer macht die Dosie­rung das Gift. Es scha­det also nicht, wenn man ein Kin­der­gar­ten­kind ab und zu gewin­nen lässt. Jedoch mög­lichst unauf­fäl­lig. Wenn der Zwerg her­aus­fin­det, dass Du die Regeln bewusst zu sei­nen Guns­ten änderst, kann er sich „betro­gen“ füh­len.

Natür­lich ist Gewin­nen und etwas „bes­ser als ande­re zu kön­nen” gut für das Selbst­be­wusst­sein des Zwer­ges. Aber er muss auch ler­nen, ein guter oder zumin­dest ein akzep­ta­bler Ver­lie­rer zu sein. Und um das zu ler­nen gibt es nur den har­ten Weg: Immer mal wie­der ver­lie­ren – und bei Trä­nen­aus­brü­chen durch die Ent­täu­schung auf­rich­tig getrös­tet wer­den.

Dei­ne Auf­ga­be ist es nun Ver­ständ­nis zu zei­gen, denn die Kids müs­sen erst ler­nen Ver­lie­ren zu ertra­gen. Und das fällt selbst manch einem Erwach­se­nen noch schwer. Dein berühmt berüch­tig­ter Sie­ge­stanz ist also fehl am Platz. #IKno­wY­o­u­Ha­ve­That­Dance.

Neh­me Dein Kind in den Arm und erklä­re, dass es nicht schlimm ist, mal zu ver­lie­ren. Aber, dass Du ver­ste­hen kannst, dass Dein Kind sich ärgert und trau­rig ist.

Lösun­gen für das Cham­pi­on-Loser-Dilem­ma

Bei Stra­te­gie-Spie­len könn­test Du bei­spiels­wei­se statt Dei­nem Kind ein­fach den Sie­ger­po­dest zu über­las­sen, den Zwerg auf dem Spiel­brett eini­ge Fel­der vor Dir star­ten las­sen. Mög­li­che Erklä­rung: „Da Du das Spiel noch nicht so oft gespielt hast wie ich/weil ich viel älter bin, darfst Du ein paar Fel­der wei­ter Vor­ne star­ten.“ Durch die­se klei­ne Regel­än­de­rung mit schlüs­si­ger Erklä­rung, ver­än­dert man gemein­sam die Regeln, damit das Spiel fair ist.

Die meis­ten Spie­le, die auf Glück basie­ren, sind für Erwach­se­ne und Kin­der glei­cher­ma­ßen fair. Wür­fel­spie­le oder Kar­ten­spie­le sind oft Glücks­spie­le, meist muss man noch zusätz­lich ein biss­chen auf­pas­sen. Gera­de bei Glücks­spie­len bleibt es aber nicht aus, dass Du auch mal gegen Dein Kind gewinnst.

Wel­che Idee ich lus­tig und gleich­zei­tig lehr­reich fand, war: „Wer kann am bes­ten ver­lie­ren?“ Dafür kannst Du z.B. ein klei­nes Spiel wie Wett­ren­nen ver­an­stal­ten, bei dem ein­mal Dein Zwerg gewinnt und ein­mal Du. Wer mit der Nie­der­la­ge am bes­ten umge­hen kann ohne zu wei­nen oder sau­er zu sein, hat gewon­nen. Hier kannst Du wun­der­bar zei­gen, wie Du mit dem Ver­lie­ren umgehst. Bei­spiel: „Ach Mensch, ich habe ver­lo­ren. Naja, macht nichts. Es hat trotz­dem viel Spaß gemacht.“

Soli­da­ri­tät im Kampf gegen den bösen Raben

Wir haben seit­dem Vik­tor zwei Jah­re alt das Koope­ra­ti­ons­spiel “Obst­gar­ten” von HABA. Hier spielst Du gemein­sam mit Dei­nem Kind gegen den “bösen” Zufall: den Raben. So gewinnt oder ver­liert man zusam­men — Dein Kind kann Dich als Vor­bild also beob­ach­ten, wie Du damit umgehst, der Ver­lie­rer zu sein und sich mit Dir soli­da­ri­sie­ren und zur Not gegen­sei­tig trös­ten.

Dane­ben gibt es eine Men­ge Spie­le, die gro­ßen Spaß machen und sich nicht nur am Wett­kampf ori­en­tie­ren: wie Puz­zle oder eine gemein­sa­me Schatz­su­che im Wald/Garten, Rol­len­spie­le und Bas­teln.

Hier kann der Zwerg ler­nen, dass der Spaß am Spiel viel wich­ti­ger ist als Gewin­nen oder Ver­lie­ren. #Nice­G­ame­ch­an­ger

Bild­nach­weis: Flickr |Essen Spiel‘14–137 | Bo Jor­gen­sen
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