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LOB­HU­DE­LEI Teil 2: MANI­PU­LIE­RE ICH MEIN KIND MIT LOB? TEIL 2

By on 19. September 2017

[3 Minu­ten — durch­schnitt­li­che Lese­zeit]

Teil 2 von 4: Loben im Lau­fe der Kind­heit

Ich per­sön­lich glau­be ja (ohne päd­ago­gi­schen Hin­ter­grund), dass es meist so ist: Eltern loben ihr Kind in den ers­ten Jah­ren für jeden Pups. Im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Infla­tio­när wer­den da die Lobes­hym­nen gesun­gen und der klei­ne Star glaubt, er wäre das größ­te Genie seit Men­schen­ge­den­ken, da er den Knopf der Kaf­fee­ma­schi­ne drü­cken kann oder zumin­dest wird er ein gut­ver­die­nen­der Inge­nieur, dem „nix zu schwör“ ist mit die­sem enor­men tech­ni­schen Talent. #GottBewahreDassDerZwergHerausfindet,DassDemNichtSoIst.

In Deutsch­land erhal­ten Kin­der 10 Mal mehr Kri­tik als Lob

Dann folgt die Pha­se im Schul­al­ter, in der Eltern ihren Spröss­ling eher kri­ti­sie­ren als loben. Laut Stu­di­en erhält man ab einem gewis­sen Alter sogar 10 Mal mehr Kri­tik als Lob in Deutsch­land.

Und wenn man spä­ter als Stu­dent von sei­nem Dozen­ten gefragt wird „Wann seid ihr das letz­te Mal von euren Eltern gelobt wor­den? Da muss man schon ein­mal tie­fer gra­ben, so lan­ge kann das letz­te Lob der Eltern her sein. Und bei der fol­gen­den Fra­ge: Wie ist das gesche­hen und was hat euch dar­über gefreut bezie­hungs­wei­se was fan­det ihr nicht gut? Da set­zen dann in der Tat Refle­xi­ons­pro­zes­se ein, die einen selbst über­ra­schen.

Eigent­lich schon fast erschre­ckend, wie sich das Gan­ze ent­wi­ckelt. Es wäre doch erstre­bens­wert, wenn man von Anfang an sein Kind ermu­tigt — ohne gleich vor Stolz über sein ers­tes Köt­zer­chen aus­zu­flip­pen. Aber auch spä­ter sein erwach­se­nes Kind lobt und sei­ne Leis­tun­gen aner­kennt – ohne zu glau­ben, dass es das schon sel­ber weiß und meint, es wür­de ein gut getarn­tes Lob á la „Na jetzt hast Du ja end­lich Dei­nen Abschluss und liegst mir nicht mehr auf der Tasche“ genü­gen.

Was ist der Unter­schied zwi­schen mani­pu­la­ti­vem und ehr­li­chem Lob?

Jeder sehnt sich nach Lob und Aner­ken­nung von ande­ren Men­schen. Man möch­te dazu gehö­ren und gese­hen wer­den — all dies drü­cken wir durch Lob aus.

Lob hat jedoch vie­le Gesich­ter: es gibt ehr­li­ches und mani­pu­la­ti­ves Lob. Wir wün­schen uns natür­lich ein ehr­li­ches “Gut gemacht/Das Essen schmeckt köst­lich” von unse­rem Chef/Partner. Mani­pu­la­ti­ves Lob erken­nen wir schnell und es nervt uns, wenn man nur gelobt wird, da die­ser ein bestimm­tes Ziel errei­chen will.

Das Lob muss inhalt­lich sein. Es muss ehr­lich gemeint sein und darf nicht flos­kel­haft wir­ken. Kin­der spü­ren schon in sehr jun­gen Jah­ren, ob man sich mit ihnen ernst­haft beschäf­tigt oder ob ein Inter­es­se „nur gespielt“ sei.

Wich­tig ist es zum Bei­spiel, dass man Kin­der für Din­ge lobt, wenn man merkt, sie ent­wi­ckeln sich bzw. sie ent­wi­ckeln sich wei­ter. Bei klei­nen Kin­dern pas­siert das sicher­lich öfter als bei gro­ßen Kin­dern.

Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gen raten zum Bei­spiel davon ab, Kin­der zu loben, wenn sie von sich aus posi­ti­ves Ver­hal­ten zei­gen. Denn sie ler­nen so nicht, dass sie etwas rich­tig gemacht haben, son­dern dass es eine Mög­lich­keit ist, Auf­merk­sam­keit zu bekom­men. Lob kann zu einer regel­rech­ten Sucht füh­ren.

Hier­zu hat zum Bei­spiel der Neu­ro­wis­sen­schaft­ler Pro­fes­sor Emrah Düzel von der Uni­ver­si­tät Mag­de­burg geforscht: Durch Lob wird im Gehirn das Beloh­nungs­zen­trum ange­regt, das heißt, es wird Dopa­min aus­ge­schüt­tet. Die­ser Boten­stoff moti­viert zum Ler­nen neu­er Din­ge. Kommt ein Lob zu schnell, zu leicht oder zu oft, stumpft das Sys­tem ab. Und wenn es dann uner­war­tet aus­bleibt, kön­nen sogar Ent­zugs­er­schei­nun­gen auf­tre­ten — Frust, Selbst­zwei­fel oder sogar Depres­sio­nen.

Was geschieht mit mei­nem Kind, wenn ich es infla­tio­när lobe?

Der letz­te Arti­kel ende­te mit der Fra­ge: Wie soll man reagie­ren, wenn ein Kind zum Bei­spiel den Tisch abräumt, auf der Rut­sche steht und einem zuruft oder ein Bild gemalt hat und einem die­ses „Kunst­werk“ unter die Nase hält?

Unser Kind fühlt sich von uns ganz beson­ders aner­kannt und ange­nom­men, wenn wir es loben. Im Lau­fe der Zeit kann der Ein­druck bei dem Kind erweckt wer­den, dass etwas “erbracht” wer­den muss, um die posi­ti­ve Zuwen­dung der Per­son zu erhal­ten. Im kind­li­chen Unter­be­wusst­sein ent­steht die Ver­knüp­fung: “Wenn ich mich ent­spre­chend ver­hal­te, wie Papa es sich wünscht oder ich außer­ge­wöhn­li­che Din­ge voll­brin­ge, dann bekom­me ich Zunei­gung”.

Zudem kann häu­fi­ges Loben dazu füh­ren, dass es bestimm­te Tätig­kei­ten nur noch mit dem Ziel, gelobt zu wer­den, macht — nicht mehr, weil es selbst die Tätig­keit als wich­tig erkennt oder selbst moti­viert ist.

Bild­nach­weis: Flickr | The Adven­tures of Win­nie the Pooh — Magic King­dom | Haydn Bla­ckey 
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